Tennis und Flüssigkeitsaufnahme

Nun ist es wieder so weit: Die Tennissaison beginnt. In der Vorbereitung überlegt sich mancher Tennisspieler, ob es außer einer optimalen Ausrüstung auch andere Möglichkeiten gibt, Einfluß auf die sportliche Leistungsfähigkeit zu nehmen.

Eine kontinuierliche Flüssigkeitsaufnahme spielt eine wichtige Rolle für den Erhalt der Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum. Durch Tennisspielen und damit verbundenes Schwitzen kommt es über eine Spieldauer von 1-2 Stunden zu einem erheblichen Schweißverlust. Dies bedingt neben einer Krampfneigung vor allem auch eine Einschränkung der Koordinationsfähigkeit. Dadurch wird sowohl die Tennistechnik als auch die Tennistaktik negativ beeinflußt, da Stoffwechselprozesse im Gehirn durch einen Flüssigkeitsentzug verlangsamt ablaufen.

Andererseits ist der Flüssigkeitsverlust notwendig, da durch Schwitzen die Thermoregulation des Körpers gesteuert wird. Es wird verhindert, dass die Körpertemperatur zu hoch ansteigt.

 

Unter leistungsfördernden Gesichtpunkten ist es deshalb wichtig, neben dem für die Leistungsfähigkeit wichtigen Schwitzen, dafür zu sorgen, dass möglichst dadurch kein Flüssigkeitsdefizit entsteht.

Am besten zu kontrollieren wäre dies durch ein regelmäßiges Wiegen während des Spieles. Dies ist allerdings sportpraktisch nicht möglich, so dass es das Ziel sein sollte durch regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme, trotz Wasserverlust, möglichst das Körpergewicht zu halten. Bei einem Gewichtsverlust durch Schwitzen sollte dies etwa 2 Stunden nach dem Match wieder ausgeglichen sein, um die Regeneration optimal zu gestalten. Das lässt sich mit der Waage gut kontrollieren.

 

Für die Gesundheit stellt dies normalerweise kein Problem dar. Spätestens 12- 24 Stunden nach einem erhöhten Schweißverlust sind die Flüssigkeits- und Elektrolytverluste mit dem Schweiß durch eine normale Ernährung wieder ausgeglichen. Dies ist allerdings oft zu spät für Tennisspieler, die nach einem anstrengenden Einzel noch ein Doppel spielen oder im Rahmen eines Turniers am nächsten Tag bereits wieder auf dem Platz stehen müssen. Deshalb kommt der Flüssigkeitszufuhr vor, während und vor allem direkt nach dem Spiel noch größere Bedeutung zu.

 

In diesem Zusammenhang ist wichtig zu wissen, dass Getränke den Flüssigkeitsverlust bis 2 Std. nach Spielende nur teilweise ersetzen.

Koffeinhaltige, kalorienarme Getränke schaffen dies zu 54 %. Mit Wasser kann man in etwa 64 % ausgleichen und mit Kohlenhydratelektrolytgetränken ( Sportlerdrinks ) etwa 70 %.

Koffeinhaltige Getränke führen in diesem Zusammenhang zur vermehrten Urinausscheidung und damit Flüssigkeitsverlust. Kohlensäure führt über eine Gasansammlung im Magen zu einem Völlegefühl. Dadurch wird die Flüssigkeitsaufnahme eingeschränkt.

 

 

 

Welche Empfehlungen zur Flüssigkeitsaufnahme gibt es ?

Bereits 1-2 Stunden vor dem Wettkampf sollte der Tennisspieler viel Trinken. Der Urin sollte immer hell / weiß sein. Das Körpergewicht sollte vor und nach dem Wettkampf kontrolliert werden. Größere Gewichtsverluste sind durch regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme zu vermeiden.
Es sollten 80 % des Flüssigkeitsverlustes durch Schwitzen bereits im Wettkampf oder Training ersetzt werden.

Dies bedeutet, dass alle 10 – 20 Minuten etwa 125 – 250 ml ( 1 Glas Kölsch ) aufgenommen werden sollten.

Nach dem Wettkampf / Training sollte die verbleibende Körpergewichtsabnahme rasch ausgeglichen werden.

In diesem Zusammenhang ist von Bedeutung, dass Elektrolytverluste durch den Schweiß eher gering sind, besonders bei trainierten Sportlern, so dass eine zusätzliche Mineralstoffzufuhr nicht notwendig ist. Es gibt bisher keine nachweisbaren Effekte, dass vor allem übermäßige Mineralstoffzufuhr, die über der Menge des Schweißverlustes steht zu einer Leistungssteigerung führen würde.

Der Grundsatz viel hilft viel kommt auch hier nicht zur Geltung.

 

Mit welchen Getränk kann dieser Flüssigkeitsverlust ausgeglichen werden ?

Am besten geeignet sind 6 %-ige Kohlenhydratgetränke mit Natrium/Salz Zusatz. Dies ist in etwa der Kohlenhydratanteil in den normalen Sportlerdrinks. Damit ist der Flüssigkeitsverlust nahezu vollständig zu ersetzen, da der Salzgehalt in diesen Getränken das Durstgefühl erhält und durch den Geschmack der Kohlenhydrate der Tennisspieler zum Trinken animiert wird.

Mann kann nach dem ersten alkoholfreien Weizen gar nicht aufhören. Anders verhält es sich bei Frau nach dem ersten Piccolo.

Ferner führt diese Zusammensetzung zu einer schnellen Magenpassage und dann zu einer schnellen Flüssigkeitsaufnahme aus dem Dünndarm.

Zusätzlich erfolgt durch die Aufnahme von Kohlenhydraten ( Glucose ) eine Energiezufuhr für die Muskulatur. Dies wirkt sich vor allem auch positiv aus, wenn nach kurzer Pause das Doppel gespielt werden muß.

 

Auch gut geeignet ist Apfelsaftschorle. Hier sollte allerdings der Kohlenhydratanteil nicht zu hoch sein. Auch Konservierungsstoffe führen zu einer verlangsamten Magenpassage. Mit geringem Apfelsaftanteil ist die Magenpassage ebenfalls beschleunigt. Es kommt zu einer raschen Aufnahme im Dünndarm in Abhängigkeit vom Natriumanteil des Mineralwassers. Kohlensäure sollte möglichst gemieden werden, da dadurch eine zu schnelle Sättigung eintritt.

Ähnlich gut wirkt auch Bier. Allerdings verdrängt Alkohol Glykogen aus der Leber und dem Muskel, so dass es hier zu einer Leistungsminderung kommt. Alkoholfreies Bier ist deshalb zu bevorzugen.

 

Zusammenfassend ist zu sagen, dass derjenige, der bereits vor dem Wettkampf damit beginnt, seinen bevorstehenden Flüssigkeitsverlust mit kohlenhydrat – und natriumhaltigen Getränken ohne Kohlensäure aufzufüllen am wenigsten durch einen Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt wird.

 

 

Dr. med. H.-G. Eisenlauer

März 2016